Frau mit Trauma

Die Posttraumatische Belastungsstörung PTBS

Wenn ein belastende Erlebnis (Trauma) nicht ausreichend bewältigt werden kann und / oder die Unterstützung im Umfeld fehlt, können psychische Erkrankungen entstehen.

Wie sich erlebte Traumata und extreme Stresserfahrungen langfristig auf Körper und Seele auswirken

Schon Homer und Shakespeare beschrieben in ihren Dichtungen posttraumatischen Stress. Samuel Pepys, der 1666 das große Feuer von London miterlebte schrieb nach sechs Monaten nach der Katastrophe in sein Tagebuch: „Wie merkwürdig, dass ich bis zum heutigen Tag keine Nacht schlafen kann, ohne von grosser Angst vor dem Feuer erfasst zu werden.
Nach dem 1 Weltkrieg wurden traumatisierte Menschen als Kriegszitterer benannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das sogenannte KZ-Syndrom bei Überlebenden des Holocaust beschrieben. Die Folgen der Traumatisierung der Menschen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ist bisher noch immer wenig erforscht.

Obwohl die Symptome der PTBS bereits über 100 Jahre wissenschaftlich untersucht wurden, fand die Diagnose erstmals 1980 Anerkennung in der klinischen Psychiatrie, maßgeblich geprägt durch aus dem Vietnam Krieg heimkehrende amerikanische Soldaten.

PTBS zeigen sich nach dem Erleben überwältigenden Entsetzens, starker lebensbedrohlichen Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit, sowie der Erfahrung eines vollständigen Kontrollverlusts.

Die PTBS tritt in der Regel innerhalb eines halben Jahres nach dem traumatischen Ereignis auf und geht mit unterschiedlichen psychischen und psychosomatischen Symptomen einher. Im Verlauf einer PTBS kommt es häufig zu weiteren Begleiterkrankungen und -beschwerden, wenn diese nicht frühzeitig erkannt und professionell begleitet wird (in bis zu 90 % der Fälle). 

Die Intensität der ersten körperlichen Reaktion auf eine traumatisierende Erfahrung, gilt als ein wichtiger Indikator für langfristige Folgen. Ist die Stresssituation überwältigend genug, wird durch das erlebte Trauma eine emotionale Reaktion konditioniert, bei welcher der Körper schon beim geringfügigsten Reiz in Kampf- oder Fluchtbereitschaft oder Erstarrung verfällt.

Traumatisierte Menschen stehen in ständiger Alarmbereitschaft, was ihren Alltag extrem belastet. Kommt es zu an das Trauma erinnernden Situationen oder auch nur erinnernden Reizen, wie lauten Geräuschen, erleben viele traumatisierte Menschen Angstsymptome und erhöhte körperliche Erregung, selbst wenn sie das Trauma bewusst verarbeitet haben. Ihr autonomes Nervensystem  reagiert mit Kampf- oder Fluchtbereitschaft, oft ist den Betroffenen die Herkunft solcher extremer Reaktionen bekannt.

Die Bilder in den Medien aus der Eifel waren für die Opfer der Elbeflut aus Dresden, im Jahr 2002 und 2012, nach 8 bzw nunmehr fast 20 Jahren, emotional noch immer stark belastend. Traumata haben ein langes Gedächtnis.

Unabhängig von der Angstursache antwortet das Zentralnervensystem (ZNS) auf überwältigende, erschreckende und nicht kontrollierbare Erlebnisse mit konditionierten emotionalen Reaktionen, also Reiz-Reiz-Assoziationen bzw. Reiz-Reaktions-Assoziationen. Es kommt zu Autonome Übererregbarkeit und intensives Wiedererleben Brandopfer z.B. können auf konditionierte Stimuli, etwa den Geruch von Rauch, mit Panik reagieren, als ob sie wieder dieser Gefahr ausgesetzt sind.)

 

Menschen mit PTBS reagieren auf bestimmte physische und emotionale Reize (Stimuli) so, als ob die (Lebens-) Bedrohung noch immer akut wäre. Es kann zu heftigen Empfindungen von Furcht, Angst, Wut oder Panik kommen, auch in kleineren oftmals nicht nachvollziehbaren Situationen. Betroffene überreagieren, zeigen Wut oder Drohgebärden oder verschließen sich und erstarren.

Traumatisierte Menschen gehen unmittelbar vom Reiz zur Reaktion über, ohne zuvor wahrzunehmen, was sie so erregt oder gegen steuern zu können. Es fehlt ihnen die Möglichkeit der Gefühlsregulierung.

Da traumatisierte Menschen sich ihrer Schwierigkeiten bewusst sind, ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten, versuchen sie fortlaufend, den quälenden inneren Empfindungen aus dem Weg zu gehen, was wiederum so belastend ist, dass sie große Schwierigkeiten dabei haben, auf die Anforderungen ihrer Umwelt einzugehen.

Folgen traumatischer Erfahrung

Symptome der PTBS

Übererregbarkeit 

Übersteigertes Kontrollverhalten

Erhöhte Schreckhaftigkeit

Ruhelosigkeit

Schlafprobleme

Lernstörungen, Erinnerungsstörungen und Dissoziation

Flashbacks und Taubheit (Numbing)

Schlafprobleme

Sowohl Kinder als auch Erwachsenen haben häufig unter Schlafproblemen zu

leiden. Es ist ihnen entweder unmöglich, sich vor dem Einschlafen zu entspannen oder sie fürchten, Alpträume zu bekommen. Häufig berichten Betroffene davon, dass sie aufwachen, sobald sie anfangen zu träumen, aus Angst, der Traum werde sich zu einem traumatischen Alptraum entwickeln.

Lernstörungen, Erinnerungsstörungen und Dissoziation

Physiologische Übererregung stört die Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Betroffenen, die unter Amnesien leiden, die sich auf Aspekte des Traumas beziehen, haben oft große Schwierigkeiten, gewöhnliche Ereignisse zu erinnern. Bei Kindern können bereits erlernte

Fähigkeiten wieder verschwinden, Bettnässen ist eines der häufigsten Symptome

oder auch das Verweigern von Essen und Körperhygiene.

Bei Erwachsenen kann sich das Gefühl der Abhängigkeit entwickeln, durch den Verlust der Fähigkeit, überlegte und autonome Entscheidungen treffen zu können.

 

Flashbacks und Taubheit (Numbing)

Plötzliches Wiedererleben der traumatischen Erfahrung (oder von Erinnerungsfragmenten), sogenannten Flashbacks.

Es kann durch das traumatische Erleben auch zu einem Gefühl von „emotionaler Taubheit“ (Numbing) kommen und damit zu einer Erschütterung des Ich-Bewusstseins  und Verständnisses.

 

 

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