Nächster MHFA Ersthelfer Kurs in Stuttgart +++ 20. – 21. Juni 2026 +++ 

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Schwerpunktthema

Du Opfer! Mobbing bei Kindern und Jugendlichen

Schwerpunktthema Mobbing bei Kindern und Jugendlichen: Erkennen, richtig einordnen, Warnsignale verstehen und als Eltern sowie Schule sicher unterstützen.

Mobbing und Cybermobbing – Überblick, Einordnung und Handlungssicherheit

Mobbing an Schulen ist ein weit verbreitetes Phänomen und hat inzwischen den Charakter eines Massenproblems: Fast jede:r dritte Schüler:in ist betroffen. 

Wie wir von Ulrich in seinem Vortrag eindrücklich geschildert bekamen, äußert sich Mobbing in sehr unterschiedlichen Formen. Dazu zählen Spott, Ausgrenzung, Demütigungen, Drohungen, Gerüchte, Erpressung sowie körperliche Übergriffe. Besonders belastend ist die digitale Dimension: Beim Cybermobbing werden Beleidigungen, Bloßstellungen und Lügen gezielt über soziale Netzwerke verbreitet. Dieses Mobbing endet nicht mit dem Schultag, sondern wirkt rund um die Uhr weiter, dringt in den privaten Raum ein und bleibt für Erwachsene häufig lange unsichtbar. Für Betroffene bedeutet dies oft öffentliche Bloßstellung, tiefe Scham und eine anhaltende psychische Belastung.

Typisch für Mobbing ist eine Gruppendynamik: Neben der betroffenen Person gibt es meist eine:n Haupttäter:in sowie Mitläufer:innen, Dulder:innen und Beobachter:innen, die das Geschehen aktiv oder passiv aufrechterhalten. Mobbing ist kein Kavaliersdelikt. Es muss klar benannt und ernst genommen werden. Gefragt sind hier Schüler:innen, Lehrkräfte und Eltern gleichermaßen, um frühzeitig hinzuschauen, Schutz zu bieten und wirksam einzugreifen.

Der Begriff Mobbing wurde übrigens von Heinz Leymann, Professor für (Arbeits- und Jugend-)Psychologie in Schweden, geprägt, der das Phänomen bereits in den 1960er-Jahren wissenschaftlich beschrieb.

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Zentrale Botschaft

Mobbing ist kein individuelles Versagen, sondern ein soziales Machtgeschehen.
Frühes Hinsehen, Ernstnehmen, Schutz bieten und geeignete Unterstützung einzubeziehen ist entscheidend – für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene.

Woran kann man Mobbing bei Kindern und Jugendlichen erkennen?

Die folgenden Anzeichen stellen keine Diagnose dar. Sie sind Hinweise darauf, dass ein Kind oder ein:e Jugendliche:r unter starkem Druck steht und Unterstützung braucht.

Emotionale Veränderungen

Häufig zeigen sich anhaltende Stimmungsschwankungen: Reizbarkeit, Rückzug, Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder emotionale Abstumpfung. Diese Veränderungen lassen sich oft nicht klar erklären und bleiben über längere Zeit bestehen.

Veränderungen im Denken und in der Wahrnehmung

Psychische Belastung beeinflusst das Selbstbild. Kinder äußern vermehrt negative Gedanken („Alles ist schlecht“, „Niemand mag mich“, „Es bringt nichts“). Auch pauschale oder resignierte Aussagen sollten ernst genommen werden.

Akute Warnsignale

Starke Ängste, Panikattacken oder Wahrnehmungsveränderungen (z. B. Stimmenhören) erfordern unabhängig von der Ursache zeitnah professionelle Hilfe.

Verhaltensänderungen

Schulvermeidung, sozialer Rückzug, ungewöhnliche Aggressivität oder selbstverletzendes Verhalten sind keine Provokationen, sondern Zeichen hohen inneren Stresses.

Körperliche Symptome

Schlafstörungen, Kopf- oder Bauchschmerzen, Essveränderungen oder Gewichtsveränderungen treten häufig auf – besonders, wenn sie regelmäßig im Zusammenhang mit Schule stehen.

Einschränkungen im Alltag

Rückzug aus Freundschaften, Verlust von Interessen, häufiges Weinen oder das Ausweichen auf soziale Medien als Ventil sind oft indirekte Bewältigungsversuche.

➡️ Wichtig: Kein einzelnes Zeichen beweist Mobbing. Treten jedoch mehrere Signale über längere Zeit auf oder verstärken sich, braucht das Kind Unterstützung. Das Bauchgefühl von Bezugspersonen ist dabei mit ein zentraler Hinweisgeber.

Warum wird ein Kind gemobbt?

Eine klare und entlastende Wahrheit: Jede Person kann von Mobbing betroffen sein.
Mobbing ist kein Ergebnis persönlicher Schuld. Auffälligkeiten – etwa besonderes Verhalten, familiäre Veränderungen, gute oder schlechte Leistungen, Trennungen – können Angriffsflächen bieten. Statistisch erhöht ist das Risiko lediglich bei starkem Übergewicht. 

WICHTIG: Die Verantwortung liegt immer bei den Täter:innen, nicht beim betroffenen Kind.

Wie Eltern und Betreuungspersonen kompetent unterstützen:

  • Zuhören und ernst nehmen, ohne zu bagatellisieren
  • Druck herausnehmen – nicht sofort Lösungen erzwingen
  • Keine Schuldzuweisungen, keine vorschnellen Ratschläge
  • Emotionale Sicherheit geben: Ruhe, Zuversicht, Verlässlichkeit
  • Wege gemeinsam und im Tempo des Kindes entwickeln

Häufige, aber ungeeignete Ratschläge

Viele gut gemeinte Ratschläge verschärfen die Situation ungewollt, etwa:

  1. „Mach lieber gar nichts und ignorier es einfach.“
    Untätigkeit beendet Mobbing nicht. Die betroffene Person verbleibt in der Opferrolle, während die Akteur:innen ihre Macht weiter ausüben und soziale Bestätigung erhalten.
  2. „Wehr dich doch einfach.“
    Mobbing unterscheidet sich von Konflikten durch ein strukturelles Machtungleichgewicht. Ein eigenständiges „Sich-Wehren“ ist daher nicht möglich. Betroffene benötigen Unterstützung von außen.
  3. „Hast du vielleicht etwas dazu beigetragen?“
    Diese Aussage verschiebt Verantwortung auf das betroffene Kind, fördert Scham und kann zu Selbstbeschuldigung führen.
  4. „Geh ihnen aus dem Weg.“
    In der Schule ist räumliches Ausweichen kaum umsetzbar und verstärkt häufig soziale Isolation und psychische Belastung.
  5. „Sprich doch mit der Klassenleitung.“
    Grundsätzlich sinnvoll, für Betroffene jedoch oft eine hohe Hürde. Wichtig ist, dem Kind Unterstützung anzubieten und das Gespräch nur gemeinsam und auf Wunsch des Kindes zu initiieren.

Solche Aussagen verkennen die ungleichen  Machtverhältnisse im Mobbing und können Scham, Rückzug und Vertrauensverlust verstärken.

Fachliche Orientierung für Erwachsene

Eine fundierte Orientierung bietet der Leitfaden zur Mobbing-Intervention des Staatlichen Schulamts Künzelsau (kostenlos als PDF):

👉 Download: www.schulamt-bw.de

Der Leitfaden benennt zentrale Fallstricke und No-Go’s, die im Umgang mit Mobbing häufig unbewusst wirksam werden:

  • S. 11: Fallstricke für Erwachsene bei Mobbing junger Menschen
  • S. 12 ff.: No-Go’s für Lehrkräfte
  • S. 16 ff.: No-Go’s für Eltern

Unterstützende Materialien & Anlaufstellen

Schule & Prävention

Leitfäden

Cybermobbing

Mobbing in der Arbeitswelt (Einordnung)

MHFA Youth

Jungen Menschen bei psychischen Problemen kompetent helfen

NEU IN 2026 – MHFA YOUTH Ersthelfer-Kurse
Für Erwachsene, die Jugendliche unterstützen möchten

Ab 2026 biete ich als Instruktorin auch die neuen MHFA YOUTH Ersthelferkurse an:

Im 14-stündigen MHFA Ersthelfer-Kurs YOUTH erwerben Teilnehmende fundierte Kompetenzen, um psychische Belastungen bei Jugendlichen früh zu erkennen, professionell darauf zu reagieren und wirksame Unterstützung zu leisten – bevor sich akute Krisen oder langfristige Erkrankungen entwickeln.

Der Kurs richtet sich an alle Erwachsenen, die regelmäßig mit Jugendlichen zu tun haben, wie Eltern und Angehörige, Lehrkräfte und schulische Mitarbeiter*innen, Ausbilder*innen, Trainer*innen, Jugendgruppenleiter*innen und alle Interessierten.

Meldet euch gerne bei Interesse oder weiteren Fragen zum Kurs bei mir.

Format: Online-KOMPAKTKURS, 7 x 2 Stunden
Nächste Runde: Juni 2026

👉 Hier findest du weitere Informationen sowie Infos zur Anmeldung für MHFA Youth

Über mich
Stephania Laih, MHFA Ersthelfer-Ausbilderin

Hallo, ich bin Stephania Laih

Ich bin Therapeutin und Trainerin für psychische Gesundheit mit über 30 Jahren Erfahrung.

Als zertifizierte Instruktorin und freie Mitarbeiterin des Zentralinstituts für seelische Gesundheit (ZI) Mannheim bilde ich bereits seit 2020 MHFA Ersthelfer aus.

Über MHFA
Logo des MHFA Ersthelfer - Kurse für psychische Gesundheit

Mental Health First Aid (MHFA): Kurse für psychische Gesundheit

Der MHFA Ersthelfer-Kurs verbessert das Wissen über psychische Gesundheit, vermindert stigma­ti­sierendes Verhalten, steigert das Vertrauen in die eigenen Helfer­kompe­tenzen und stärkt die eigene psychische Gesundheit.

Neben theoretischer Wissens­ver­mittlung werden in den Kursen auch konkrete Erste-Hilfe-Maß­nahmen bei sich ent­wickeln­den psychischen Gesund­heits­problemen und bei akuten psychischen Krisen erlernt und durch praktische Übungen gefestigt.

Weitere Themen
Traumatische Erfahrung
Übungsabend zum Sonderthema TRAUMATA
Übungsabend mit Christine Schreiner Mader mit Fokus auf das Thema Gehirnverarbeitung bei Traumata.
Sonderthema: Rezidivierende Depression mit Catherine – Betroffene & MHFA Ersthelferin
Im Juni sprechen wir im Ersthelfertreff über das Thema rezidivierende Depression.
Übungsabend: Schwerpunkt Angststörungen
Ängste gehören zum Leben. Sie treten in den unterschiedlichsten Situationen und Zusammenhängen auf, weisen auf drohende Gefahren hin und haben damit eine wichtige Schutzfunktion für uns Menschen. Kritisch wird es erst, wenn aus normalen Ängsten Angststörungen werden, die das Leben stark beeinträchtigen.
Übungsabend: Schwerpunkt Angststörungen & Depressionen
Depressionen können sich auf vielfältige Weise zeigen. Wie Du sie anhand von Symptomen erkennst und wie du als Ersthelfer Betroffene dabei unterstützen kannst, weitere Hilfe zu bekommen.
Update ErsthelferTREFF Community
Monatsthema Mai: Suizidalität
Im April geht es im Ersthelfertreff das Thema Suizidalität.