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Standhaft bleiben in stürmischen Zeiten

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Es gibt Zeiten – sei es aus atmosphärischen Gründen, durch Wetterlagen, Sternenkonstellationen oder einfach durch Verdichtungen im Alltag –, in denen wir uns gefühlt aus den Angeln gehoben fühlen. Der Druck nimmt zu. Etwas liegt in der Luft. Und wir merken es nicht nur emotional, sondern körperlich:

Alte Zipperlein melden sich.
Migräne klopft an.
Der Rücken spannt.
Ein Knie zwickt und zwackt.
Die vulnerablen Stellen zeigen sich deutlicher.

In meiner Praxis – und auch in den Rückmeldungen nach unserer letzten Auszeit – höre ich im Moment Ähnliches. Viele beschreiben eine besondere Dünnhäutigkeit. Sätze wie:

„Was ist gerade los mit mir?“
„Ich bin viel schneller aus dem Gleichgewicht.“
„Das hatte ich doch schon besser im Griff.“
„Ich bin dauernd müde und erschöpft.“
„Nicht wirklich krank – aber auch nicht richtig gesund.“

Es ist, als läge eine feine Erschöpfung über allem. Eine innere Gereiztheit, die schneller anspringt. Eine Müdigkeit, die sich nicht einfach ausschlafen lässt. Es zerrt an den Nerven, ohne dass wir genau benennen könnten, warum.

Vielleicht spürst du das auch.

Und dabei ist doch eigentlich der große Lärm vorbei.
Die Fastnacht ist vorüber, die Masken sind verstaut, die bösen Geister sollten längst vertrieben sein. Der Kalender wird ruhiger.

Doch während es im Außen scheinbar stiller wird, legt die Natur noch einmal eine Schippe nach. Der anhaltende Sturm draußen findet sein Echo im Inneren. Es ist, als würde der Wind nicht nur an Fensterläden und Bäumen rütteln, sondern auch an unserer inneren Balance.

Und genau hier kommen die innere Standhaftigkeit ins Spiel.

Wenn der Sturm ums Haus fegt, sichern wir instinktiv alles, was lose ist. Wir beschweren Mülltonnen. Wir schließen Fensterläden. Wir holen Gartenstühle ins Trockene. Wir sorgen vor.

Im übertragenen Sinne sind diese Beschwerungen unsere Routinen. Unsere kleinen, verlässlichen Haltepunkte im Alltag. Doch gerade dann, wenn wir dazu neigen, Stabilität zu verlieren, vernachlässigen wir genau diese Anker.

Immer wenn der Druck zunimmt, kürzen wir zuerst an uns selbst.

  • Wir lassen das Joggen ausfallen – weil das Wetter schlecht ist oder ein kleiner Infekt sich ankündigt.
  • Wir ersetzen es aber nicht durch einen Spaziergang.
  • Wir geben stärkende Gewohnheiten auf, wenn die Müdigkeit anklopft.
  • Wir streichen das, was uns trägt.

Doch vielleicht ist jetzt genau der Moment für ein Umdenken, neu lernen:

Je heftiger es im Außen oder im Inneren stürmt, desto sorgfältiger müssen wir unsere inneren Haltepunkte pflegen.
Nicht mit Härte.
Sondern mit liebevoller Regelmäßigkeit.

  • Struktur ist kein Zwang – sie ist ein Halteseil, wenn es um uns herum unruhig wird.
  • Struktur ist keine Einschränkung – sie ist Selbstführung in bewegten Zeiten.

Und dann ist da noch etwas sehr Entscheidendes: unser innerer Dialog.

Wurzel oder Windrad?

Die Stabilität beginnt in unserem Denken. In der Art, wie wir mit uns selbst sprechen. In stürmischen Phasen wird unser innerer Ton oft rau und streng.

  • „Du musst dich zusammenreißen.“
  • „Andere schaffen das doch auch.“
  • „Das hattest du früher besser drauf.“
  • „Du leistest nichts.“
  • „Du bist nicht gut genug” oder du taugst nichts.“

Der Druck steigt – und mit ihm die innere Kritik.

Doch Strenge macht starr.
Und was starr ist, bricht im Wind leichter.

Wenn du dich selbst verurteilst, wirst du zum Windrad, das sich im Sturm unkontrolliert dreht – bis es heiß läuft.
Wenn du dir mit Anerkennung begegnest, wirst du zur Wurzel. Tief verankert. Beweglich, aber nicht entwurzelt. Wie ein Baum, der sich biegt und dennoch stehen bleibt.

Was wir in stürmischen Zeiten brauchen, ist innere Führung – nicht Härte.

Innere Führung fragt:

  • Was brauche ich gerade wirklich?
  • Was würde ich einer guten Freundin in meiner Situation sagen?
  • Wie spreche ich eigentlich mit mir?

Vielleicht ist dein innerer Ton im Moment so peitschend wie der Wind draußen. Niederschlagend. Fordernd. Unbarmherzig.

Versuche für einen Moment weich zu werden.
„Ich darf heute langsamer sein.“
Dieser Satz ist kein Aufgeben – er ist ein kraftvolles Gegengewicht gegen den inneren Sturm.

Und dann: die Schwerkraft.

Setz dich einen Moment aufrecht hin. Spüre, wie der Boden dich trägt. Wie dein Körper gehalten wird. Der Sturm mag am Gemüt zerren – aber der Boden unter dir bleibt fest. Du bist gehalten.

Standhaft bleiben heißt nicht, unbeweglich zu werden.
Es heißt, verwurzelt zu bleiben, während sich alles bewegt.

Für unsere heutige Auszeit lade ich dich ein, einen Anker zu werfen:

Welche kleine Handlung gibt dir heute Halt?
Ein bewusster Tee.
Fünf Minuten Stille.
Ein kurzer Gang nach draußen – auch wenn es ungemütlich ist.
Ein paar tiefe Atemzüge am offenen Fenster.

Es muss nichts Großes sein. Aber führe diese eine kleine Routine heute mit besonderer Sorgfalt aus – wie einen Stein in der Mülltonne deines Tages.

Und vielleicht prüfst du heute immer wieder deinen inneren Wind:

Wie spreche ich gerade mit mir?
Ist es Führung – oder Härte?
Ist es Anerkennung – oder Abwertung?

Denn Selbstabwertung verstärkt den Sturm.
Selbstführung beruhigt ihn.

Was wir jetzt brauchen, ist kein strenger Antreiber.
Was wir jetzt brauchen, ist eine wohlwollende innere Stimme, die sagt:

Ich bleibe bei dir.“

Gerade wenn es draußen und drinnen stürmt.

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Über mich
Über mich, Stephania Laih, Therapeutin und Trainerin für psychische Gesundheit & persönliche Stärke; MHFA Ersthelfer-Ausbilderin und Key Note Speakerin für Gesundheitsrhetorik, hält einen Vortrag, der die Zuhörer:innen begeistert.

Ich bin Stephanie Laih, Therapeutin und Begleiterin für Menschen, die sich selbst wieder näherkommen möchten.

In meiner Arbeit verbinde ich Körper, Geist und Seele – mit Achtsamkeit, Herz und Humor.

Diese Auszeiten sind für mich ein Herzensprojekt: Kleine Inseln im Alltag, um zu atmen, zu spüren und zu sein.

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